Moritz Freiherr Knigge

Ihre Lieblings-Umgangsregel? In einem Satz, Herr Knigge.

Als Knigge, der ich bin, werde ich immer wieder gefragt, wie man dieses tut und jenes lässt.

Mit meiner neuen Serie "In einem Satz, Herr Knigge" antworte ich auf Fragen, die mir immer wieder gestellt werden. In einem Satz und manchmal sogar nur mit einem Wort. Mit dem immer gleichen Ziel: Einen kleinen bescheidenen Beitrag zum wertschätzenden Umgang mit Menschen zu leisten. Hier im Netz und anderswo von Angesicht zu Angesicht. Heute: Gesicht wahren schlägt Etikette-Regel.

Die Geschichte der Fingerschale

Er war mit den Tischsitten am Königshof nicht vertraut. Zu viel Dinge auf dem Tisch, mit denen er nichts anzufangen wusste. Dann griff er nach dem Silberschälchen mit lauwarmen Wasser und  Zitronenscheibe, das direkt vor ihm stand und trank es in einem Zug aus. Es entstand Gemurmel am Tisch, verächtliches Tuscheln, Kopfschütteln, Augenrollen und vereinzelt sogar Gelächter. Habt Ihr das gesehen? Der Bauernjunge hat aus der Schale, die zum Reinigen der Finger gedacht ist, getrunken!

Ihm wurde  heiss und kalt. Er wollte wollte verschwinden. Sofort. Doch Prinzessin Dolores hielt ihn fest. Die Tränen standen ihr in den Augen. Vor Wut! Sie schrie: RUUHHHEEEE! Jetzt waren alle Blicke auf sie gerichtet. Man hätte eine Seiden–Serviette zu Boden fallen hören können. Dolores wischte sich die Tränen aus den Augen, erhob sich langsam, nahm mit Stolz ihre Fingerschale und trank sie mit der Würde einer Prinzessin in aller Ruhe daraus. Danach erhoben sich der König und Königin und taten es ihr nach. Schliesslich erhoben sich auch die übrigen Hofleute und leerten ihre Fingerschale – die zum Reinigen der Hände gedacht ist – ein einem Zug.

Gestatten, Knigge.

Schon Adolph Freiherr Knigge wusste: ohne Handkuss kommt man gut durchs Leben. Ohne einander nicht. Meine Mission? Miteinander mehr möglich machen.