Moritz Freiherr Knigge

Wie geht geschmeidig? Fragt die etwas Hüftsteifen.

Moritz Freiherr gibt Antworten wie man ein gute Figur macht. Ob Oper oder Pommesbude. Immer geschmeidig.

Werner lächelt selten. Hier ist er König, nicht seine Kunden. Seine Pommesbude ist dennoch oder gerade deshalb gut besucht. Es geht ruppig zu. Es wird eher geschrien als geredet. Geduld ist ein Fremdwort: „Ey, wo bleibt meine Curry, du Arsch?“

Das Zauberwort

Es nähert sich ein junger Mann im Anzug, in der Hand einen Aktenkoffer, die Haare adrett nach hinten gegelt. Die Männer in Blau mit gelbem Helm verstummen. Was will denn der Schnösel hier?„Guten Tag, ich hätte gerne eine Portion Pommes Frites mit Ketchup und Mayonnaise.“Werner schaut ihn kurz an und brummt: „Und? Wie heißt das Zauberwort?“Der junge Mann zögert und sagt dann: „Arschloch.“Darauf der Besitzer: „Gut, und jetzt im ganzen Satz!“„Einmal Pommes Schranke, Arschloch!“„Na siehste, geht doch!“

Der wache Blick

Wir brauchen ein gutes Gespür, einen offenen und aufmerksamen Blick, wenn wir uns unter all den anderen Menschen um uns herum behaupten wollen. Wir unseres eigenen Glückes Schmied sind, wenn wir mehr erreichen wollen im Umgang mit Menschen. Da nützt einem der beste Benimmratgeber nichts, wenn wir unter die Bauarbeiter fallen. Da heißt es Augen und Ohren aufsperren. Wem etwas an seinen „Pommes Schranke“ gelegen ist, der muss den richtigen Ton treffen. Ansonsten geht es hungrig ins nächste Meeting. Wer nicht auf einer einsamen Insel lebt, der kommt nicht umhin, sich mit sich selbst, seinen Mitmenschen und der jeweiligen Situationen auseinanderzusetzen, wenn er den Durchblick auf dem zwischenmenschlichen Parkett behalten will.

Eine gewisse Geschmeidigkeit

Auch Adolph Freiherr Knigge riet uns zu einer gewissen Geschmeidigkeit und Anpassungsfähigkeit im Umgang mit Menschen und ermunterte uns zur Freude am Umgang mit allen möglichen Menschen: "Übrigens rate ich auch an, um seiner selbst und um anderer Willen ja nicht zu glauben, es sei irgendeine Gesellschaft so ganz schlecht, das Gespräch irgendeines Mannes so ganz unbedeutend, dass man nicht daraus irgendetwas lernen, irgendeine neue Erfahrung, irgendeinen Stoff zum Nachdenken sammeln könnte. Aber man soll nicht an aller Orten Gelehrsamkeit, feine Kultur fordern, sondern gesunden Hausverstand und geraden Sinn begünstigen, vorziehn und reden und wirken lassen, sich auch unter Menschen von allerlei Ständen mischen; so lernt man zugleich nach und nach den Ton und die Stimmung annehmen, die nach Zeit und Umständen erfordert sind."

Ein Hoch auf die Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit der natürliche Freund der Höflichkeit, Unaufmerksamkeit ihr natürlicher Feind. Wer unaufmerksam ist, der ist sich der Konsequenzen seines eigenen Verhaltens nicht bewusst, der kann das Verhalten anderer nicht deuten und ist schon gar nicht in der Lage, die Zauberwörter zu entdecken, die in jeder Begegnung zu finden sind. Wer dagegen aufmerksam ist, der weiß um seine eigene Wirkung, der kann das Verhalten anderer einschätzen und handelt der Situation angemessen geschmeidig.

Gestatten, Knigge.

Schon Adolph Freiherr Knigge wusste: ohne Handkuss kommt man gut durchs Leben. Ohne einander nicht. Meine Mission? Miteinander mehr möglich machen.