Lügt man, wenn man höflich ist? Fragt die Ehrlichkeit.

Ehrlich währt am Längsten, kann aber auch unendlich weh tun. Moritz Freiherr Knigge sagt, wie höflich der Deutschen Lieblingstugend wirklich ist.

Wir Deutschen beklagen nicht nur gerne, oft und lauthals den Verfall der Sitten. Wir sehnen uns auch ganz besonders nach Ehrlichkeit, unserer Lieblingstugend. „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“, spricht schon Baccalaureus zu Mephistopheles in Goethes Faust. Und von Böll stammt der Satz „Höflichkeit ist die sicherste Art der Verachtung.“ Sankt Tacheles ist der Säulenheilige unserer Gesprächskultur. Deshalb rät die britische Tourismusbehörde „VisitBritain“ den einheimischen Hoteliers: „Kümmern Sie sich umgehend um jede Beschwerde von deutschen oder österreichischen Touristen, die so direkt und fordernd sein können, dass es schon unhöflich und aggressiv wirkt." Und letztlich berichtete mir ein Landsmann stolz, er habe auf die für ihn „unerträgliche Phrase“: „Wie geht es Ihnen?“ mit „Beschissen“ geantwortet.
Doch höflicher und respektvoller Umgang brauchen Schonung statt Zumutung. Wertschätzende Menschen lesen zwischen den Zeilen statt mit dem Zaunpfahl zu winken.

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Gestatten, Knigge.

Schon Adolph Freiherr Knigge wusste: ohne Handkuss kommt man gut durchs Leben. Ohne einander nicht. Meine Mission? Miteinander mehr möglich machen.