Seiten
Kategorien
-
Letzte Artikel
Archive
Schlagwort-Archive: Bücher
Wertschätzung ist keine Harmoniesucht
Unter dem Titel “Zu viel Teamarbeit: Warum Harmonie im Büro schädlich ist” erschien heute im Handelsblatt eine Kritik zu Thomas Vasek Buch “Die Weichmacher. Das süße Gift der Harmoniekultur”. Erschienen im Carl Hanser Verlag. Ohne das Buch gelesen zu haben, erscheint die Rezenison und hier insbesondere der Schlusssatz des Rezensenten Thorsten Giersch entscheidend:
“Vasek hat in vielem Recht, aber freilich nicht in allem. Die Überspitzung ist ein gelungenes Stilmittel, aber dem Leser fällt es leicht, den Mittelweg aus dem Postulat der Harmonie und Vaseks Gegenentwurf herauszufinden.”
Es wäre wohltuend in der Managementliteratur häufiger auf Veröffentlichungen zu stoßen, in denen der Mittelweg von den Autoren selbst eingeschlagen würde und diesen herauszufinden nicht ständig ihren Lesern überließen.
In dem Moment nämlich, wo die Zuspitzung zur Regel wird und der Mittelweg zur Ausnahme stellt sich unweigerlich die Frage, ob Autoren wie Vasek durch ihre einseitigen Polemiken nicht mehr zu der von ihnen gebrandmarkten Mißtrauens- und Manipulationskultur beitragen als es die Emotionale Intelligenz jemals könnte.
…
Veröffentlicht unter Zwischen & Menschen
Verschlagwortet mit Bücher, Handelsblatt, Managementliteratur
Hinterlasse einen Kommentar
Andere mit Wertschätzung instrumentalisieren
In seinem Artikel in der NZZ befasst sich Michael Schefczyk mit Peter Schabers Buch : “Instrumentalisierung und Würde”. In diesem setzt sich der Schweizer Ethiker kritisch mit der Selbstzweckformel Immanuel Kants auseinander: “Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.”
Schefzyck führt aus, dass die Selbstzweckformel – auch Instrumentalisierungsverbot – genannt, “der Kant-Deutung seit je Kopfzerbrechen” bereitet habe. Insbesondere die Bezeichnung Instrumentalisierungsverbot legt jedoch nahe, dass man sich einiges Kopfzerbrechen hätte sparen können, wenn man Kants Satz etwas genauer gelesen hätte. Ist doch das unscheinbare Wörtchen bloß der Schlüssel zum besseren Verständnis der moralischen Maxime Kants.
Das bloß entscheidet über den feinen Grad zwischen Nutzen und Ausnutzen, zwischen Achtung und Mißachtung der Würde oder – wie Schaber es ausdrückt – , dem individuellen Anspruch auf Selbstachtung und dem Infragestellen dieses Anspruchs durch andere. Wer andere zum bloßen Instrument seiner eigenen Bedürfnisse macht oder sich selbst zum bloßen Instrument degradiert, der nimmt anderen den Anspruch auf Selbstachtung und beraubt sich selbst dieses Anspruches.
Nun ist aber unser gesamter Alltag dadurch bestimmt, dass wir andere für unsere Zwecke instrumentalisieren: Wir lassen uns im Restaurant bedienen, wir machen mit anderen Geschäfte, von denen wir selbst profitieren wollen und wir bitten unsere Mitmenschen um Hilfe, damit wir eine Strasse finden oder die Uhrzeit erfahren. Wir instrumentalisieren andere also ständig und lassen uns von ihnen instrumentalisieren. Aber – im besten Falle – eben nicht bloß.
Und um dieses bloß geht es. Ganz konkret. Ich stimme Peter Schaber zu, wenn er die Würde in erster Linie als etwas beschreibt, das Verhältnisse zwischen Personen charakterisiert. Exakt diese Verhältnisse gilt es derart zu gestalten, dass wir uns wechselseitig bereitwillig nutzen ohne einander auszunutzen.
Wenn wir also das bloß verhindern wollen, dann sollten wir uns sehr intensiv mit den Möglichkeiten einer wertschätzenden Konstruktion & Kommunikation auseinandersetzen: Denn je unmittelbarer und wertschätzender die Verhältnisse zwischen Personen sind und je weniger formelle oder informelle Macht diese Verhältnisse beeinträchtigen desto weniger Kopfzerbrechen bereitet uns die wechselseitige für beide Seiten förderliche und Selbstachtung erhaltende Instrumentalisierung.
Daher gehört Instrumentalisierung nicht verboten sondern gefördert, solange jedenfalls, wie sich beide Seiten wechselseitig geachtet fühlen!…
Veröffentlicht unter Zwischen & Menschen
Verschlagwortet mit Bücher, Instrumentalisierung, Kant, NZZ, Wertschätzung, Würde
Hinterlasse einen Kommentar
Alles was man über Niederländer wissen sollte
Reinildis van Ditzhuyzen ist – so darf man sagen – die Grande Dame der niederländischen Umgangsformen. Der weibliche Knigge unserer westlichen Nachbarn, die wir selbst Holländer nennen und die doch Niederländer heißen.
Zu Ihrem Buch “Alles was man über Niederländer wissen sollte” hat Moritz Freiherr Knigge das Vorwort geschrieben. Anfragen dieser Art erhalten wir desöfteren, doch nicht immer geben wir diesen statt, weil nicht jeder Knigge tatsächlich etwas mit den Absichten Knigges zu tun hat.
Bei Reinaldis van Ditzhuyzen liegt der Fall anders. Als studierte Historikerin geht es ihr um mehr, als kleinliche Benimmregeln herunterzubeten. Ihr geht es vielmehr um kulturelle Aufklärungsarbeit; und die kann insbesondere im Verhältnis zwischen Deutschen und Niederländern nicht schaden.
Wer von uns Deutschen also wissen möchte, wieviel dran ist an den Klischees und Vorurteilen, die wir über unsere Nachbarn haben, wer wissen möchte, was das Feierbiest Louis van Gaal eigentlich meinte, als er von “Tod und Gladiolen” sprach, was der Niederländer meint, wenn er sein Essen “uit de muur” holt, welcher common sense in der Kindererziehung herrscht oder was ein Omafiets ist, der lese nach im interkulturellen Knigge von Reinildis van Ditzhuyzen.
Dann klappt’ s auch mit den Nachbarn……
Veröffentlicht unter Moritz & Knigge
Verschlagwortet mit Benimmregeln, Bücher, interkultureller Knigge, Reinildis van Ditzhuyzen
Hinterlasse einen Kommentar



